Erfahrungsberichte – Assistenzhund

Die Entscheidung ob ein Assistenzhund einem das Leben erleichtern könnte, fällt nicht immer leicht. Daher möchten sich hier einige Assistenzhundeteams vorstellen und von ihrem Weg berichten.


PTBS Assistenzhund in Ausbildung Bero und seine Partnerin Jutta

Wie habt ihr euch für einen Assistenzhund entschieden?

Meine letzte Assistenzhündin konnte ihre Aufgaben altersbedingt leider nicht mehr vollständig ausführen. Daher habe ich mich vor längerer Zeit auf die Suche nach einem „Nachfolger“ gemacht. Nach langer, langer Suche bin ich schlussendlich auf Frau Remmers Seite „Hund als Helfer“ gestoßen. Über meine Odyssee von „Ich suche einen neuen Hund“ bis „Ich habe einen gefunden und eine Finanzierungsmöglichkeit“ könnte ich Bücher schreiben.

Wie kamt ihr auf euren Hund?

Im Mai sind mein Sohn und ich aus unserer Heimat NRW nach Wistedt gefahren, um uns einen Welpen anzuschauen/auszusuchen. Bero, da noch Duplo, kam aus dem Rudel direkt auf mich zu, wollte auf meinen Schoß und schlief dort direkt friedlich und entspannt ein. Die eigentlich für mich vorgesehene Hündin wollte leider nichts mit mir zu tun haben. Es heißt ja: Wo eine Tür zugestoßen wird, öffnet sich woanders eine neue.
Im Juli waren wir noch einmal in Wistedt – meine Befürchtung, dass Bero mich nicht erkennen würde, waren glücklicherweise unbegründet. Wieder kam er direkt auf mich zu und sprang mir auf den Schoß.

Wie läuft die Ausbildung?

Bero bleibt ein Jahr bei Frau Remmers zur Ausbildung. Aufgrund meines komplexen Krankheitsbildes würde ich ihn zum jetzigen Zeitpunkt total überfordern. Bei Frau Remmers lernt er, mit Panikattacken, Flashbacks und Dissoziationen umzugehen und diese zu unterbrechen. Frau Remmers wird mich auch unterstützen, wenn Bero bei mir ist – bis zur Abschlussprüfung.

Wo hilft euch euer Assistenzhund jetzt schon?

Die Vorfreude auf Bero hilft mir momentan extrem den Tag zu überstehen. Nachdem meine letzte Hündin Anfang des Jahres leider über die Regenbogenbrücke gegangen ist, sind die Tage für mich sehr schwer. Die Gewissheit, dass Bero bald bei mir ist, lässt mich weitermachen.

Was für Ziele habt ihr noch?

Das Hauptziel ist der Tag, an dem Bero endlich bei mir ist. Ebenfalls ist es ein Ziel, endlich wieder selbstbestimmt und ohne Angst am alltäglichen Leben teilzunehmen/die Wohnung zu verlassen.


PTBS Assistenzhund in Ausbildung Merlin und seine Partnerin Andrea

Mein Name ist Andrea. Ich bin 51 Jahre alt und wohne in Sempach Station – ein kleines Dorf in der Nähe von Luzern in der Schweiz. Ich habe eine komplexe PTBS mit Dissoziationen in Form von einem Stupor und einer sensomotorischen Paraplegie der Beine.

Ich habe mich 2006 für einen Assistenzhund entschieden, weil ich eine Aufgabe brauchte und mich sehr intensiv um meinen ersten Assistenzhund Dumbea gekümmert habe. Ich wollte einfach allein in meiner derzeitigen Wohnung in Münster bleiben und habe mir gedacht, dass es sinnvoll ist, einen vierbeinigen Helfer zu bekommen. Dumbea ist als LPF Hund ausgebildet gewesen, weil ich da noch nicht wusste, dass es auch PTBS Hunde gibt. Ich war 2006 in einem Zustand, wo ich nur Ängste mit extremen Dissoziationen in Form vom Stupor hatte und nicht gerne unter Menschen gewesen bin. Ich lebte sehr isoliert und brauchte sehr viel Unterstützung im Alltag und war sehr unselbständig. Ich habe dann einen Film über den Verein Apporte Assistenzhunde im Rollstuhl e. V. gesehen und da wurde mir klar, dass ist es, was ich mir wünsche. Es hat dann noch einige Zeit gedauert bis Dumbea gekommen ist. Jetzt ist sie zu alt und nun brauche ich einen neuen Hund. Zwischenzeitlich bin ich in die Schweiz umgezogen und habe dann mit dem Assistenzhunde Zentrum Schweiz Kontakt aufgenommen und habe nach einiger Zeit Kontakt zu Christin Remmers bekommen, wo wir dann alles in die Wege geleitet haben. Ein neuer zukünftiger Assistenzhund mit Namen Merlin für mich wurde gefunden, was über ein Jahr gedauert hat. Merlin lebt jetzt noch nicht bei mir, weil er in einer Internatsausbildung von Sabrina Steinmeyer in Bremen ausgebildet wird. Ich schaffe es nicht aufgrund meiner PTBS die Ausbildung unterstützend zu begleiten, aber ich schaffe es, mich um einen ausgebildeten Assistenzhund zu kümmern, wenn ich mich blind auf ihn verlassen kann und die gelernten Befehle abrufbar sind. Ich bekomme immer wieder Photos und Filme von Merlin zugeschickt. Merlin ist jetzt vier Monate alt und kann schon die ersten leichten Befehle, wie Sitz, Platz und Komm zu mir, sowie auf seiner Decke liegen bleiben. Die Liste ist lang, die Merlin lernen wird, bis er zu mir kommen kann.

Ziele habe ich mit Merlin, dass ich Sicherheit im Aussen behalte oder noch mehr ausbauen kann, damit ich mich wieder freier bewegen kann und lerne, dass Menschen eigentlich keine Gefahr darstellen und ich durch Merlin eine Hilfe bekomme, wo ich recht selbständig meinen Alltag meistern kann. Ich habe dann ein Wesen an meiner Seite, das mir die Möglichkeit gibt, meine volle Aufmerksamkeit zu bekommen und ich mich dann auf Merlin konzentrieren kann und das Aussen ein bisschen in den Hintergrund gerät. Ein grosses Ziel ist auch, dass ich die Dissoziationen mit Hilfe von Merlin gesteuert bekomme und nicht so stark in den dissoziativen Stupor rutsche, wenn mir etwas im Aussen zu viel wird. Ich möchte selbstbewusster im Umgang mit Menschen werden, weil es dann nicht heisst, da kommt die Frau im Rollstuhl, sondern da kommt die Frau mit dem tollen Hund. Ich bin auch sehr stolz, einen Assistenzhund als Partner zu haben, weil ich eine Verantwortung für ein Tier habe, wo ich mich drum kümmern muss und ich so auch eine Tagesstruktur habe, wo ich immer wieder mit dem Hund raus gehen muss und mit ihm spielen kann und auf der anderen Seite gibt er seine Dienste auch bedingungslos, egal wie es mir geht. Ein Assistenzhund will einfach nur gefallen und seine Befehle immer gut ausführen und im Gegenzug bekommt er auch eine grosse Liebe von mir, wo er einfach nur bei mir liegen darf und von mir gestreichelt wird und gut gepflegt wird. Das Team schafft gut zusammen und das bedingungslos. Merlin ist auch nie alleine, da er immer mit mir zusammen sein darf und meinen Alltag mit mir gestalten darf. Als Gegenpart darf Merlin auch viel auf den hier vorhandenen Wiesen mit dem Assistenzhund Ava von meinem Mann Daniel spielen und im Sempacher See schwimmen. Ich kann nicht alleine die Türen öffnen oder den Lift zu holen, da der Knopf immer zu weit weg ist. Ich kann auch nicht die Dinge, die mir herunterfallen, wieder aufheben, da ich mich aufgrund der Schwäche im Oberkörper nicht wieder aufrichten kann und aus dem Rollstuhl fallen würde. Da kann der Hund mir super gut helfen, weil es für ihn ein Spiel ist, was er gerne macht.
Ich bin enorm glücklich, dass ich die Möglichkeit bekomme, wieder einen Assistenzhund für meine Lebenssituation zu bekommen und wir ein gutes Team werden können, dass sich gegenseitig unterstützt und immer zusammen sein da